Gleisanlagen der Zschornewitzer KB





Letztes Update dieser Seite erfolgte am 30. Dezember 2015 
(7 neue Abbildungen inklusive Beschreibung und  Richtigstellung von Textpassagen nach neu erworbenen Erkenntnissen )



Die Gesamtlänge des Streckengleises der Zschornewitzer Kleinbahn GmbH betrug in seiner längsten Ausdehnung "nur" 16 Kilometer, trotzdem gab es eine Vielzahl von interessanten Gleisanlagen.
Dabei spielte die zweigleisige auf 900 mm Spurweite fahrende Grubenbahn der Grube Golpa in diesem Revier eine bedeutende Rolle indem sie mehrmals die Gleise der Zschornewitzer Kleinbahn kreuzte.
Auch im Kraftwerk Zschornewitz selbst, auf dessen Gleisen die Kleinbahn den Betrieb durchführte, gab es sehr interessantes zu berichten.
Leider ist es sehr schwierig gute originale Fotografien von den Gleisanlagen zu akquirieren,  aus diesem Grund muß ich in vielen Fällen auf Abbildungen,  welche unter anderem in der damaligen Betriebszeitung der Grube Golpa, dem ehemaligen Archiv der Grube Golpa, regionalen Tageszeitungen und anderen Illustrierten in der damaligen Zeit zurückgreifen.
Dennoch hat sich in den letzten ca. 30 Jahren, in welchen ich mich der Geschichte zur Zschornewitzer Kleinbahn gewidmet habe, eine große Zahl von verschiedenen  Materialien angesammelt und wird zum Teil in Etappen von mir hier eingestellt werden.



Die Streckenkarte der Zschornewitzer Kleinbahn GmbH von 1917.
Dieser Streckenverlauf war bis 1936 wie gezeichnet gültig, danach wurde die Strecke zwischen den Bahnhöfen Golpa und Zschornewitz zwecks Braunkohlenabbau verlegt.
Im Süden hatte die Kleinbahn eine Anbindung zur Reichsbahn im Bahnhof Burgkemnitz an der Hauptstrecke Bitterfeld - Berlin gelegen, im Norden eine Anbindung zur Dessau - Wörlitzer Eisenbahn (DWE) im Bahnhof Oranienbaum.



Eine Streckenkarte der Zschornewitzer Kleinbahn um 1950 nachdem der Ort und der Bahnhof Golpa der Braunkohle zum Opfer gefallen sind.
Auch wurde die Strecke zwischen Großmöhlau und Oranienbaum im Jahr 1949 stillgelegt und abgebrochen nachdem ein Antrag auf die komplette Stillegung der Kleinbahn abgewiesen worden ist.
Die Strecke verkehrt nun nur noch zwischen Großmöhlau über Zschornewitz und Gräfenhainchen mit dem Betriebsmittelpunkt in Zschornewitz.



Eine niveaugleiche Kreuzung der eingleisigen und normalspurigen Zschornewitzer Kleinbahn mit der auf 900 mm Spur betriebenen hier zweigleisigen Braunkohlen - Grubenbahn des Tagebau Golpa zwischen Zschornewitz und Oranienbaum in der Nähe von Jüdenberg etwa um 1935.
Von diesen Kreuzungen der Kleinbahn mit der 900 mm Grubenbahn gab es im ganzen Netz der ZKB deren mehrere.
Im Bild weiterhin zu erkennen ist der begonnene nachträgliche teilweiser Ausbau der Kleinbahntrasse auf ein Dreischienengleis  900 mm / 1435 mm zwischen Kilometer 12,1 und 16,1 kurz vor dem Bahnhof Oranienbaum in Höhe der Müchaur Mühle, damit man geldsparend und effektiv bis zu dem im Bau befindlichen Kraftwerk Elbe in Vockerode zum einen auf der 900 mm Strecke die Kohlenzüge der Grubenbahn und zum anderen mit der Kleinbahn normalspurig Güterzüge zum Kraftwerk befördern konnte.
Für den ansteigenden Güterverkehr zum Kraftwerk in Vockerode kaufte dieses zwei kleine Dampfloks an, welche später in den Bestand der Zschornewitzer Kleinbahn übergingen.
Im Jahre 1938 wurde dann der planmäßige Güterverkehr auf der Strecke Golpa - Oranienbaum eingestellt, trotzdem waren Bedarfsgüterzüge auch weiterhin recht häufig auf dieser Strecke anzutreffen.



Die Kleinbahntrasse von Großmöhlau / Golpa aus in Richtung Oranienbaum  gesehen. Zu sehen ist der Ausbau des Gleises zu einem Dreischienengleis auf 900 mm / 1435 mm Spurweite.

Das links im Bild im Bau befindliche Gebäude ist mir zur Zeit leider noch unbekannt. Es könnte sich um ein Gebäude der Luftwaffe der Wehrmacht handeln. Diese bekam am Kilometer 16,4 ein eigenes Montage / Anschlußgleis, was auch mit dem in diesem Bereich auf Kilometer 16, 4 liegenden Dreischienengleis der Kleinbahn erklärbar wäre.


Die folgenden Abbildungen zeigen den Neubau der Kleinbahntrecke zwischen den Bahnhöfen Zschornewitz und Golpa im Jahre 1917 / 18 durch osteuropäische Kriegsgefangene in der Höhe der Ortschaft Golpa.
Im Hintergrund die Schornsteine des neuen Braunkohlenkraftwerk Zschornewitz welches Ende 1915 ans Netz ging.







Die im Bau befindliche Kleinbahntrasse zwischen Zschornewitz und dem Staatsbahnhof Gräfenhainichen im Jahre 194 hier unweit der späteren Siedlung bei der Überquerung der Grubenbahn.
Die Trasse dieser 900 mm Grubenbahn ist schon lange Zeit Geschichte, an deren Stelle im Bild rechts befindet sich heute eine ausgedehnte bewaldete Abraumkippe.



Im Hintergrund ist das Kraftwerk Zschornewitz nebst dem Stellwerk Station 6 ( zu Zschornewitz gehörend) zu erkennen.



Die noch fast unberührte Heidelandschaft zwischen Zschornewitz und Gräfenhainichen wird vorbereitet für den Trassenbau zur Erweiterung der Kleinbahnstrecke.




Mit Feldbahn und Bagger in Richtung Bahnhof Gräfenhainichen.
Links im Bild elektrische Anlagen der 900 mm Grubenbahn Golpa.



Die Arbeiten befinden sich hier in Höhe der nach dem 2 WK entstandenen Siedlung Zschornewitz, vermutlich im Bereich der heutigen Beethovenstraße.




Die kleinbahneigene Gleisbaurotte zum Gruppenfoto 1932 angetreten.

Die von mir angegebene Jahreszahl 1932 ist leider nicht korrekt und deshalb falsch!
Nach kürzlich neu erworbenen Erkenntnissen im Archiv des Heimatmuseum Bitterfeld wurde dieses Bild im Jahr 1941 aufgenommen.
In diesem Jahr wurde die im Hintergrund zu erkennende Kaue auf  persönlichem betreiben des zu dieser Zeit amtierenden Bitterfelder Gauleiter stationär aufgestellt und bis mindestens Anfang der 1950er Jahre (1953?) nicht von dieser Stelle entfernt.
Im Bild links der Chef der Gleisbaurotte Herr Schwarzkopf.
Die Zschornewitzer Kleinbahn unterhielt in den Jahren 1918 bis mindestens 1948 zu jeder Zeit eine eigene Gleisbaurotte!



Der Bahnhof Zschornewitz im Vordergrund mit dem Kraftwerk und der Ortschaft 1936.

Dieses Luftbild wurde aufgenommen von meinem Großvater Freiballonführer Richard Schütze Bitterfeld  aus dem Freiballon "Ernst Brandenburg" 1936



Der Gleisplan des Kraftwerk Zschornewitz in den 1930er Jahren.
Das Kraftwerk war an die Zschornewitzer Kleinbahn GmbH angebunden, sie übernahm jegliche Transportaufgaben von Versorgungszügen.



Diese Aufnahme datiert aus dem Jahr 1918, der Gründung der Zschornewitzer Kleinbahn.
Zu dieser Zeit war das Kraftwerk Zschornewitz das größte mit Dampf betriebene Braunkohlenkraftwerk der Welt.
Die Gleise im Vordergrund sind  zu dieser Zeit noch im Ur - Zustand des Kraftwerkanschlusses mit leichtem Oberbau in Kies gebettet, zwei Jahre später wurde diese Gleisanlage den neueren Anforderungen angepaßt und mit verstärktem Oberbau und Gleis Profil Form 8a in Schotter gebettet ausgebaut.
Im Jahr 1932 wurde dann ein Großteil mit Weichen und Gleisen nach Reichsbahn Oberbau K mit S 49 Schienen wiederum ausgebaut.

Das Bild entstammt aus der "Illustrierten Zeitung" aus dem Jahr 1919.



Das Einfahrgleis in den Bahnhof Zschornewitz um ca. 1924.
Links zweigt die Strecke in Richtung der Umfahrung des Kraftwerk Zschornewitz und später zum Bahnhof Zschornewitz in Richtung Golpa ab, der gerade Strang auf das Kraftwerk zu, zum Kraftwerk selbst nebst den Gütergleisen.
Halblinks ist der 3 - ständige Lokschuppen mit Werkstatt der Zschornewitzer Kleinbahn GmbH zu erkennen.



1936 kam dann ein Werkstor für das Kraftwerk hinzu.


 
Die Trasse der Zschornewitzer Kleinbahn von Zschornewitz kommend in der nähe von Golpa - oben wurde der Bau der selben gezeigt - um 1941 in Farbe!!
Im Hintergrund links ist ein Teil des ehemalige Dorf Golpa und das Kraftwerk Zschornewitz zu sehen, rechts die herannahende Grube Golpa, diesem Braunkohlen Tagebau dann das Dorf Golpa nebst dem Bahnhof Golpa komplett weichen mußte.
Der Bahnhof Golpa selbst wird nach wenigen  Metern des weiteren verlauf des Gleises am unteren Bildrand erreicht.



Fast der gleiche Standpunkt des Fotografen - nur ein paar Meter weiter Rückwärts als im oberen Farbbild aufgenommen und direkt am Bahnübergang stehend.
Der im Bild zu sehende Personenzug der Zschornewitzer Kleinbahn nähert sich aus Zschornewitz kommend dem Bahnübergang zum Dorf Golpa an diesem sich die rechts im Bild abgelichtete Wärterbude befand.
Der Wärter hatte die Aufgabe den Bahnübergang abzusichern und für die ortsfeste Stellung der Einfahrtsweichen in den Bahnhof Golpa und den Ladegleisen der Brikettfabrik Golpa sich zu kümmern.



Der Standpunkt des Fotografen wie im letzten Bild am Bahnübergang, jetzt aber mit einem Schwenk der Kamera um ca. 90° nach links.
So ist der Bahnübergang mit den ersten Häusern des ehemaligen Dorf Golpa zu erkennen, welches komplett bis 1943 der Braunkohle weichen mußte!

Nach meinen neusten Erkenntnissen zufolge, wurden diese Bilder im Jahr 1941 im Zuge einer kompletten Fotodokumentation zum größten Teil in Farbe des vor dem Abriß stehenden Dorf Golpa angefertigt, als anschaulicher Beweis für die Nachwelt von der (ehemaligen) Existenz dieses aus dem Zweck des Abbau der Braunkohle für das Kraftwerk Zschornewitz dem Erdboden gleichgemachten Dorfes!

Den von mir früher angegebenen Aufnahmezeitpunkt des ersten Farbfoto im Jahr 1936, dieses Angabe des Jahres 1936 ich früher in einer Überlieferung gefunden hatte, muß ich hiermit revidieren!


Update dieser Seite erfolgte am: 

13. November 2012 (1 neue Abbildung inklusive Beschreibung)

16. August 2013 ( 2 neue Abbildungen inklusive Beschreibung und Richtigstellung nach neu erworbenen Erkenntnissen und Überarbeitung von Textpassagen

30. Dezember 2015 7 neue Abbildungen nebst Textpassagen


Wird fortgesetzt!

Kommentare:

  1. Hallo, Guten Tag,
    alles sehr schön und für mich, als alten Zschornewitzer, sehr interessant. Auf dem 8. Bild -Gleisplan KW Zschornewitz- sind am unteren Rand die Richtungspfeile nach Golpa und nach Pöplitz verkehrt herum. Dies nur zu Ihrer Information.
    Meine besten Wünsche und Grüße, machen Sie bitte weiter so,
    Dieter Kühnhakl

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    1. Hallo und guten Tag Herr Kühnhakl,

      es freut mich sehr, dass ein alter "Zschornewitzer" meine Seiten zur ehemaligen Zschornewitzer Kleinbahn sehr interessant findet.
      Ihre Information möchte ich mit Verlaub entgegenkommen.
      Diese erkennbaren Pfeile auf der Karte sind nichts anderes als der eingezeichnete Standort der Warnbaken für den Gleisübergang über die Strasse in das Kraftwerk führend.
      Ich darf Ihnen sagen, dass ich beim ersten betrachten der Skizze aus dem Nachlass eines immer netten Kollegen vor vielen Jahren auch zu erst irritiert gewesen bin, bis ich auf diese Warnbaken gestoßen bin.
      Aber dies ist nur ein Detail.
      Ich darf Sie noch darauf aufmerksam machen, dass ich unter der Adresse http://die-zschornewitzer-kleinbahn-gmbh.de/ begonnen habe, eine sehr umfangreiche Zusammenstellung zur Zschornewitzer Kleinbahn nebst dem Dorf Golpa etc. auf einer zu diesem Thema eigenständigen Homepage aufzubauen.

      Vielen Dank für Ihren Besuch, dem freundlichen Kommentar und vielleicht bis zum nächsten Mal

      Ingo Schuetze Bergmann

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